Jindřich Vilém Kolowrat-Krakowský

Jindřich Vilém Kolowrat-Krakowský

Nach dem Tod des Grafen Alexandr wird Jindřich Kolowrat-Krakowský, der jüngste Bruder von Alexandr und letzte lebende Sohn des Grafen Leopold Eigentümer des Familienerbes einschließlich der Besitztümer in Tachovsko (Týnec und Lomec).

Noch im gleichen Jahr verkauft Graf Jindřich das Schloss in Týnec an den Architekten Jaroslav Polívka, der für ihn den funktionalistischen Chicagopalast auf der Straße Národní třída in Prag erbaute, einer der modernsten Bauten seiner Zeit. Der zufriedene Eigentümer ließ den Palast mit den Annehmlichkeiten amerikanischer Wolkenkratzer ausstatten und richtete in ihm eine Verkaufsstätte für landwirtschaftliche Produkte aus dem Betrieb in Týnec ein. Jindřich Kolowrat-Krakowský wurde damit zum Pionier neuer Herstellungs- und Verkaufsmethoden.

1930 gründete der Graf in der Region Diana bei Přimda die Westböhmischen Holzfabriken Jindřich Kolowrat, die Holzhäuser herstellten. Diese Fabriken wurden bekannt unter dem Namen Holzbauten Kolowrat, wo er 600 ständige Arbeiter beschäftigte. Für den Holztransport führte er eine sehr progressive Methode ein. Das Holz, das bis zu jenem Zeitpunkt noch Pferde oder Ochsen schleppten, transportierte er nun über Gummireifen der Marke Kolowrat.

In den Jahren 1943–1945 wurde der Besitz des tschechischen Adels verstaatlicht und an das Deutsche Reich überführt. Graf Jindřich konnte jedoch seine antifaschistische Haltung nachweisen und deshalb wurde ihm das Eigentum im Jahre 1945 vom Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik per Dekret zurückerstattet.

In den Nachkriegsjahren 1945–1948 wirkte Graf Jindřich als Botschafter im türkischen Ankara, wo er die Interessen der demokratischen Tschechoslowakei vertrat. Wegen des kommunistischen Februarumsturzes im Jahre 1948 konnte er leider in den nachfolgenden fünfzig Jahren nicht über seinen Besitz verfügen. Nach dem Februar 1948 wurde der Besitz der Familie Kolowrat-Krakowský verstaatlicht und die Holzfabriken 1950 vom Staat aufgelöst. Im Jagdschloss Diana wurde 1960 ein Altenheim eingerichtet.

Als Graf Jindřich seinen diplomatischen Posten in Ankara verlassen hatte, schrieb er am 8. März ein Telegramm nach Prag: „Die Entwicklung der politischen Situation in unserem Land führte zur Bildung einer neuen Regierung, die mit ihren Methoden schon jetzt alle Traditionen der Freiheit und Demokratie missachtet hat und die in jedem anständigen Menschen ein Gefühl des Ekels und Abscheus hervorrufen muss. Es ist klar, dass diese Regierung, die ein Agent der Kominform ist, das tschechoslowakische Volk in moralisches und materielles Elend wirft. Ich habe schon früher um die Zurückberufung aus Ankara und die Gewährung von kostenlosem Urlaub gebeten, weil ich schon längere Zeit nicht mit der Entwicklung unserer Innen- und Außenpolitik übereinstimme. Die neuen Bedingungen bei uns machen es unmöglich, dass ich auch nur formell in den Diensten des Prager Außenministeriums bleibe.“

Nachdem er Ankara verlassen hatte, siedelte der Graf mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten über, wo er als Landwirt und Verkäufer von Fitnessgeräten arbeitete.

Graf Jindřich heiratete die Prinzessin Sofia Trubecká und schloss nach deren Tod im Jahre 1938 eine zweite Ehe mit Maria Klimtová. Während die erste Ehe kinderlos blieb, hatte er mit Maria fünf Kinder – Jindřich, Ernest, Marie, Eva und das jüngste Kind František Tomáš.

Nach 1989 kehrte Graf Jindřich in sein Heimatland zurück. Auf der Grundlage der Restitutionsgesetze bekam die Familie praktisch ihren ganzen Besitz zurück. Graf Heinrich übernahm gemeinsam mit seinem jüngsten Sohn Tomáš die Verwaltung. Im Jahre 1993 vermietete er den Kolowratpalast zum symbolischen Preis von einer Krone pro Jahr an das Nationaltheater.

Graf Jindřich ist außerdem Träger zweier hoher Staatsauszeichnungen. Für seinen Widerstandskampf während des Zweiten Weltkriegs verlieh ihm Präsident Edvard Beneš das Kriegskreuz und im Jahre 1991 bekam er auf der Prager Burg von Präsident Václav Havel den Masaryk-Orden zweiter Klasse.

Der bedeutende Diplomat und Nationalökonom, Patriot und antifaschistische Widerstandskämpfer, wohltätige Mäzen und das letzte der drei Kinder des Grafen Leopold, starb im Jahre 1996 im Alter von 98 Jahren.